110.000 € oder 62.000 €? Zwei Mediane, beide richtig
Wer „Median Vermögen Deutschland“ sucht, findet zwei Welten: Berichte auf Umfragebasis nennen rund 62.000 €, die World Inequality Database 110.000 €. Niemand lügt. Die Zahlen messen nur Verschiedenes.
Erst einmal: Median, nicht Durchschnitt
Der Durchschnitt wird von wenigen sehr großen Vermögen nach oben gezogen — ein Milliardär im Raum macht statistisch alle zu Millionären. Der Median ist die Person genau in der Mitte: Die Hälfte hat mehr, die Hälfte weniger. Für die Frage „Wo stehe ich?“ ist nur er brauchbar.
Warum Umfragen niedriger liegen
- Immobilien werden unterschätzt. Wer vor fünfzehn Jahren gekauft hat, nennt im Interview selten den heutigen Marktwert.
- Große Vermögen fehlen. Sehr reiche Haushalte nehmen an Befragungen kaum teil; Betriebsvermögen wird lückenhaft erfasst.
- Die Bezugsgröße wechselt. Manche Quellen messen Haushalte, andere Erwachsene. Ein Paar mit 300.000 € ist ein Haushalt mit 300.000 € — oder zwei Erwachsene mit je 150.000 €.
Was die WID anders macht
Die World Inequality Database gleicht Befragungsdaten mit der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und Steuerstatistiken ab: Das Vermögen, das die Bilanz des Landes ausweist, muss sich in der Verteilung wiederfinden. Das Ergebnis liegt höher — und näher an dem, was Menschen wirklich besitzen, wenn man Wohnung und Firma mitzählt.
Wealth Level und der Rechner nutzen durchgehend die WID-Zahlen, für alle fünf Regionen nach derselben Methode. Wichtiger als die Wahl der Quelle ist ohnehin, bei einer zu bleiben: Nur dann ist die Bewegung von Monat zu Monat echt.
Quelle: WID.world 2023 (thwealj992, Nettovermögen pro Erwachsenem, equal-split; Albers/Bartels/Schularick). Alle Beträge pro Erwachsenem, auf drei Stellen gerundet. Keine Anlageberatung.
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